Der Röstigraben in der Medienkritik

Von: Ursin Tomaschett
7. Februar 2011

Deutschschweizer Medien berichten selten bis nie über das Mediengeschehen in der Westschweiz. Das liege an mangelnden redaktionellen Ressourcen und fehlendem Interesse für die Romandie, finden zwei gestanden Medienjournalisten.

Einen Röstigraben – hier die Saane bei Fribourg – gibt es auch im Medienjournalismus. Bild: Filzstift/CC Some Rights Reserved

„Selten“ sei ein relativer Begriff, findet Rainer Stadler, der seit über zwei Jahrzehnten als Medienredaktor für die „NZZ“ amtet. Zweimal habe er sich im vergangenen Jahr medienkritisch mit der Westschweiz auseinandergesetzt. „Dazu greift der Romandie-Korrespondent hin und wieder Medienthemen auf.“ Aber ja, sein Beobachtungsgebiet sei relativ weit und weil die grossen Länder die Trends setzten, spiele die Westschweiz nur eine Nebenrolle. Wie es um das Interesse der Leserschaft für Westschweizer Medienthemen stehe, wisse er aber nicht. Gleiches konstatiert auch Philipp Cueni, Chefredaktor der Deutschschweizer Ausgabe des Medienmagazins „Edito“. Er vermute, dass selbst Medien-Themen aus dem Ausland auf mehr Interesse stossen. Cueni führt dies aber nur als einen möglichen Grund für die fehlende Thematisierung Westschweizer Medienthemen an, die er übrigens auch selber als Defizit empfindet.

Exemplarische Themenwahl
„Offenbar sind die journalistischen Kulturen und Interessen zwischen den Landesteilen anders gelagert“, mutmasst Cueni. Das zeige sich auch bei der Themenwahl seines Westschweizer Kollegen für dessen „Edito“-Ausgabe. So hätten die Wirren um die BaZ in der welschen Ausgabe keinen Platz gefunden – „was allerdings ein Fehler war“. Abgesehen davon, dass halt eben Westschweizer Themen hauptsächlich in der Romandie-Ausgabe platziert würden, scheitere die breitere Publikation Westschweizer Themen am fehlenden Platz, so der „Edito“-Chefredaktor weiter. Für die anstehenden Veränderungen – etwa die Fusion mit „Klartext“ – habe man sich vorgenommen, den anderen Landesteilen vermehrt Beachtung zu schenken. Dabei könnte gerade besagte Vereinigung mit „Klartext“ sich als Glücksgriff hinsichtlich des Gelingens dieses Vorhabens entpuppen, pflegte man beim „Klartext“ doch seit jeher eine prominente und kontinuierliche Berichterstattung über die Romandie und verfügt mit Helen Brügger gar über eine eigene Korrespondentin.

„Auch wenn es vielleicht erzieherisch wirkt“
Denn dass man der Romandie mehr Platz einräume, „das ist durchaus erwünscht, selbst wenn es für die Leser vielleicht etwas erzieherisch wirkt“. Es sei aber wichtig, dass der Medienraum Schweiz als solches wahrgenommen werde, auch darum weil verschiedene Ebenen – Stichwort SRG, Presseförderung, Medienpolitik etc. – über Sprachgrenzen hinweg wirkten, meint Cueni schliesslich. Mehr Zeilen für die frankophone Schweiz aufwenden, das würde gerne auch Rainer Stadler. Aber auch er sagt: „Es fehlen die personellen Ressourcen – ich kann nicht einmal die ganze Deutschschweizer Arena abdecken -, zudem ist der redaktionelle Raum beschränkt“.

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