Filmjournalismus: Krise oder Generationenkonflikt?

von Laura Schneider

Sparmassnahmen in den Medien treffen den Kulturjournalismus besonders hart. Darunter leidet auch die Filmberichterstattung. Seit Jahren wird in Fachkreisen diskutiert, wie der Krise zu begegnen sei. Philipp Jann, Chefredaktor des Film- und Kinoportals outnow.ch äussert sich über den Sinn einer solchen Debatte und die Zukunft des Filmjournalismus.

Leere Kinos – trägt dazu auch der Filmjournalismus bei? Bild: flickr/TheNickster, CC BY-SA-Lizenz

Die Anzahl der Filme, die wöchentlich in den Kinos anlaufen, ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Diese Entwicklung müsste konsequenterweise einen Boom im Filmjournalismus auslösen. Oder doch nicht?
„Die populärste Kultursparte verliert ihre Meinungsmacher. Entlassungen, Stellenkürzungen, Frühpensionierungen und Filmstellen-Reduktionen betreffen bereits einen Viertel aller Filmjournalisten“, schrieb der Schweizerische Verband der Filmjournalistinnen und Filmjournalisten (SVFJ) im Juli 2009 und rief zugleich zu einer Ankurbelung der allgemeinen Meinungsdebatte über den Zustand und die Entwicklung des Filmjournalismus auf. Die Debatte über dessen Krise ist jedoch bereits seit Jahren in vollem Gange. Was aber bringt sie?

“In einer Entwicklungsphase“
Philipp Jann, Chefredaktor des Entertainment- und Filmbewertungsportals „outnow.ch“, sieht den Filmjournalismus weniger in einer Krise, als vielmehr in einer Entwicklungsphase, in welcher der herkömmliche Filmjournalismus der Zeitungen den neuen Medien und neuen Altersgruppen geöffnet wird. Die Diskussion um die Krise im Filmjournalismus dreht sich seiner Meinung nach ständig im Kreis, da die Positionen mehrheitlich verhärtet seien: „Die älteren Filmjournalisten sehen sich oftmals als ‚allwissend‘ an und haben Mühe mit den neuen Medien und deren jungen Betreibern. Dies resultiert aus den früheren Strukturen bei den Printmedien, als der Filmjournalismus als krönender Abschluss einer Karriere kurz vor der Pensionierung angesehen wurde“, meint Jann.
Aus der Sicht der jungen Generation werde der Filmjournalismus der alten Garde vielfach als abgehoben und nicht massentauglich betrachtet. Solange die Kommunikation und Toleranz beider Seiten nicht stattfinde, würde es schwer diesem Kreis zu entfliehen und konkrete Erfolge aus der besagten Debatte zu ziehen. Trotz dieses Generationskonfliktes sieht Jann einen Sinn in der Debatte. So führe diese zumindest zu einer Reflexion der verschiedenen Parteien über ihr eigenes Schaffen und somit möglicherweise zu einer Belebung der gesamten Branche.

Neue Medien als Sieger
Der Filmjournalismus wird sich gemäss Philipp Jann in Zukunft grundlegend verändern und tendenziell eher auf die Masse ausgerichtet sein. „Die neuen Medien werden voraussichtlich als Sieger aus dieser Krise hervorgehen, da sie sich mehr an der Masse, als an einer veralteten Definition von Filmjournalismus festhalten“, sagt Jann. Dies sei eine positive Entwicklung, da so die Bedürfnisse der Leserschaft breiter abgedeckt seien. Es bleibt allerdings zu hoffen, dass der „herkömmliche“ Filmjournalismus nicht ganz von der Bildfläche verschwindet, sondern, dass man sich gegenseitig ergänzt und einen Weg des Nebeneinanders findet.

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Über Matthias Giger

https://infowiss.ch Öffentlichkeitsarbeit und Statistik Kantonsbibliothek Vadiana, St.Gallen Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Informations- und Datenmanagement, Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur. Journalist / Redaktor beim Toggenburger Tagblatt, Wattwil. Zwei Praktika auf Web-Redaktionen Zukunftsinstitut GmbH und VR LEASING AG, nahe Frankfurt am Main. Studium der Medien- und Kommunikation, Journalistik und Zeitgeschichte an der Universität Freiburg i.Ue., lic.rer.soc.

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