Das Medienspektakel geht weiter

Von: Lara Attinger
28. Juni 2011

Jörg Kachelmann gibt der Weltwoche ein Interview, worauf mindestens drei Medienfiguren empört bis entsetzt reagieren. Darf der das? Darf die Weltwoche das? Klar ist: Vom Fall Kachelmann haben vor allem die Medien profitiert. Ein Profi für Krisenkommunikation rät den Medien, besser mal zu schweigen – zum Wohle aller Beteiligten.

„Kloaken-Journalismus“ nennt René Zeyer in einem Blog-Beitrag auf persoenlich.com das Kachelmann-Interview in der Weltwoche vom 16. Juni. Zeyer ist nicht der einzige, der sich über die Publikation des zehnseitigen Interviews auslässt, Roger Schawinski spricht in seiner Sendung Roger gegen Roger von „Agitation“ und Peter Rothenbühler von Edipresse fragt sich wer gegen Kachelmanns Beschimpfungen im Interview „zuerst klagen“ will.

In salopper Sprache vermutet Kachelmann in dem Interview eine Verschwörung der deutschen Justiz und der gesamten Medien. Dies mag zwar sehr provokativ sein und man kann von Kachelmann halten was man will, aber immerhin bietet das Interview ein Gegengewicht zu jenem Teil der Medien, die den Wetterunternehmer vorverurteilt hatten. Es bietet eine bisher fast unbeleuchtete Perspektive, nämlich die Perspektive der Hauptperson in diesem Prozess. Dass diese emotional und verzerrt ist, wundert kaum. Denn in dem medialen Hype um den Gerichtsprozess blieb kaum ein Persönlichkeitsrecht der Beteiligten und teilweise sogar Unbeteiligten unverletzt.

Ob nun die Publikation des Interviews gerechtfertigt war oder nicht, gebracht hat Kachelmann der Auftritt in der Weltwoche nichts, da ist sich Roland Binz, Experte für Krisenkommunikation, sicher: „Kachelmann und seine so genannten Medienanwälte erweisen sich selber einen Bärendienst, weil sie Kachelmanns Image mit Angriffen, Drohungen und Provokationen nicht retten können – im Gegenteil. Vermeintliche Rache ist ein Motiv, das in diesem Fall wenig Sympathie ausstrahlt.“

Binz rät den Beteiligten, einfach mal zu schweigen und ihre Gefühle in persönlichen Gesprächen auszudrücken. Denn sie hätten nun öffentlich alles aus ihrer Sicht geschildert. „Wenn sie weiterhin im Gerichtssaal der Öffentlichkeit kämpfen, gibt es – wie bis anhin – nur eine profitierende Seite: die Medien.“ In dem Sinn gehören auch Zeyer, Schawinski und Rothenbühler zu den Gewinnern. Sie haben die Steilvorlage, die ihnen Kachelmann in der Weltwoche zugespielt hat, dankbar aufgenommen und spinnen die Geschichte weiter.

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