Am Sonntag schiessen wir gegen die SRG

von Cornelia Mathis

Medienkritik am Sonntag ist ziemlich eintönig, wie auch am letzten Wochenende wieder zu lesen war. Vor allem ein Thema scheint die Redaktionen zu interessieren: Die SRG. Andere Medien kommen zwar auch ihre Kratzer ab, aber meist nur in Randspalten oder in satirischen Gefässen.

Patrik Müller, Chefredaktor von „Der Sonntag“, sagte einst an dieser Stelle, Medienjournalismus sei wichtig und unverzichtbar und die Medienseite seiner Zeitung biete „Erklärungs- und Einordnungshilfe“ für die Leser. Das sei wichtig, da die Menschen den Medien gegenüber ein „grosses Unbehagen“ hätten, weil sie befürchteten von den Medien beeinflusst zu werden.
Tatsächlich thematisierte „Der Sonntag“ am letzten Wochenende nicht nur auf der Medienseite andere Medien, sondern teilt vor allem im Ressort „Meinung“ gegen das Schweizer Fernsehen (SF) und die „schwächelnden“ Einschaltquoten der Info-Sendungen aus. In eigener Sache thematisiert sich „Der Sonntag“ im „Echo auf ‚Sonntag‘-news“. Dort werden Textstellen von anderen Zeitungen publiziert, welche in der vergangenen Woche den „Sonntag“ zitiert haben. Ein kleiner Seitenhieb im Wirtschaftsteil gegen news.ch deckt auf, dass die besagte Redaktion offenbar eine offensichtliche Ironie einer Medienmitteilung nicht habe erkennen können. Anlass zu dieser Vermutung bietet ein Interrogativ-Satz im Titel. Denn news.ch titelte: „Diebstahl an der Art Basel?“ nachdem ein Jungunternehmen für einen Werbefilm einen Kunstraub fingiert hatte.

Gastautoren als Medienkritiker
Auch die „Sonntags Zeitung“ amüsiert sich wöchentlich in der Rubrik „Schlagzeiten“ über die Verschreiber und Ungereimtheiten von Schlagzeilen anderer Zeitungen. In einem anderen Artikel macht sich ein Gastautor für den schwachen Euro stark und klopft dabei den Medien auf die Finger. Denn im anbahnenden Sommerloch hätten sich diverse griechische Dramen, rund um die Entwicklung der EU, sehr gut verkauft und dabei wirft Autor Klaus Wellershoff die rhetorische Frage auf: „Welcher Journalist könnte da widerstehen?“. Dass ein Gastautor in der „Sonntags Zeitung“ Kritik an den Medien übt, ist kein Zufall. Martin Spieler, Chefredaktor der „Sonntags Zeitung“ sagte dazu gegenüber medienkritik-schweiz.ch: „Bei medienkritischen Kommentaren ist die Sicht eines unabhängigen Betrachters oder Experten von aussen oft angebrachter und aussagekräftiger, als wenn Journalisten in eigener Sache kommentieren“.

Medienkritik ist Chefsache
Bei der Zentralschweiz am Sonntag ist Medienkritik Chefsache. Thomas Bornhauser fragt im Editorial: „Wie viel journalistische Verdummung mit öffentlich bedeutungslosen Randnotizen aus dem Privatleben die Zürcher Boulevard-Könige noch in Kauf nehmen [würden] im Versuch, Luzerner Yakin-Knatsch herbeizuschreiben“. Und schiesst dabei gegen den Ringier-Verlag, welcher im Blick einen Artikel über den Fussballer Hakan Yakin publiziert hatte. Ein paar Zeilen später wird Kurt W. Zimmermann als „erfahrener Querdenker“ beschrieben und in seiner Kurzanalyse zum Fall Kachelmann für seinen „scharfen Blick fürs Wesentliche“ gelobt.
In der „NZZ am Sonntag“ rechnet Andreas Blum, der frühere Direktor von Radio DRS, in der Rubrik „Meinungen“ mit dem SF ab. Obwohl das SF noch immer Sendungen, die auch hohen qualitativen Ansprüchen gerecht würden produziert, sei die Bilanz aber übers Ganze gesehen ernüchternd: „Beliebigkeit, Austauschbarkeit, die langweilige Wiederkehr des Ewiggleichen“. Das Schweizer Fernsehen sei das „Medium der Eitelkeit“ und wenn die SRG überleben möchte, sei unter anderem ein unabhängiger Journalismus anstelle verkappter PR empfohlen.
Auch „Le Matin Dimanche“ findet, dass die SRG „Grenzen überschreite und sich eine Rolle ersinne, die ihr nicht zustehe“. In der Rubrik „global local“ kommt der Generalsekretär des Westschweizer Verlegerverbands Presse Suisse zu Wort. Man müsse die SRG stoppen, denn ihre Konzession erlaube es nicht, ihre Internetseiten zu vermarkten. Dies jedoch würde die SRG mit allen Mitteln versuchen und dabei ihre Monopolstellung ausnützen, denn sie würden eine derart hohe Gebühr erhalten um ihre Internetseite zu bewirtschaften. Vergleichbares sei für private Verleger unmöglich, denn sie müssten ihre Webseiten mit ihren eigenen Einnahmen unterhalten.
Der „Sonntags Blick“ äusserte sich am letzten Sonntag auf keiner Seite medienkritisch. Das Boulevardblatt berichtet dafür mit rührenden Bildern von der Vergabe vom Schweizer Fernsehpreis 2011. Jetzt ist Kurt Felix endlich eine Fernsehlegende! Auch die anderen besagten Zeitungen hatten jeweils einen Abschnitt dafür reserviert.

Ideale Zielscheibe
Was bei der sonntäglichen Lektüre auffällt: Das Schweizer Fernsehen und die SRG sind beliebte Zielscheiben für medienkritische Beiträge. Dies mag daran liegen, dass die Hemmschwelle für Zeitungen tiefer liegt, das öffentliche Radio und Fernsehen zu kritisieren, als gegen eine andere Zeitung oder gar das eigene Unternehmen zu schiessen. Kommt dazu, dass die SRG dank ihrer vergleichsweise komfortablen Finanzierung durch Nutzergebühren eine ideale Zielscheibe abgibt.
Und was formal auffällt: Medienkritik ist auch ohne eigenes Ressort möglich. Dies beweist sogar „Der Sonntag“, der zwar ein eigenes Medienressort führt, aber fünf von sechs medienkritischen Artikeln in anderen Ressorts veröffentlicht hat.

2 Gedanken zu „Am Sonntag schiessen wir gegen die SRG

  1. Peter Schibler

    Die SonntagsZeitung kommentiert in den «Schlagzeiten» auch die Stilblüten im eigenen Blatt, wie man feststellen könnte, so man die Rubrik denn regelmässig läse.

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    1. Cornelia Mathis

      Das finde ich sehr sympathisch und konsequent! Seit kurzem bin ich Abonnentin der SonntagsZeitung und werde künftig diese Rubrik im Auge behalten. 🙂

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