Media Funders: Hype oder Zukunftsmodell?

von Antonio Haefeli

Spendenfinanzierter Journalismus ist nichts Neues. Mehrere Projekte, vor allem in den USA, sind mehr oder weniger erfolgreich unterwegs dank Almosen und Zuwendungen von Publikum und Sympathisanten. „Media Funders“ will dieses Modell auch in der Schweiz verankern. Das Projekt aus St. Gallen steht erst am Anfang. Ist es nur ein Hype oder ein ernstzunehmendes Zukunftsmodell für die Finanzierung von Journalismus?

Eigentlich ist die Idee fast schon zu einfach, als dass sie erst vor ein paar Jahren aufgekommen ist: Der Medienkonsument bezahlt für journalistische Projekte, Reportagen oder Recherchen, die er gerne lesen, sehen oder hören würde – bevor sie überhaupt realisiert werden.

So soll sich auch die Plattform Media Funders dereinst finanzieren. Die Beteiligung des Publikumsist laut den Machern des sich im Aufbau befindenden Projekts aber nicht nur auf die Mitfinanzierung von Reportage- und anderen Medienprojekten beschränkt. Themen vorzuschlagen, Material und Quellen beizusteuern oder Ergebnisse kritisch zu hinterfragen, sollen ebenfalls zu den Möglichkeiten zählen, welche Nutzer und Spender haben.

Ob eine Story realisiert, beziehungsweise zur Finanzierung ausgeschrieben wird, entscheidet ein Gremium, bestehend aus freien Journalisten und unabhängigen Medien-Experten. Dieses wache auch über die Abläufe, Qualität und Transparenz des Projekts, heisst es auf der Webseite von Media Funders. Noch werden Mitglieder für das Gremium gesucht.

„Wir gehen einige Schritte weiter“
Das Projekt mit Wurzeln in St. Gallen soll laut Gründer Stefan Hertach eine neue, transparente Form von unabhängigem Journalismus ermöglichen. Und Media Funders will sich dabei abheben von bereits bestehenden Crowdfunding– & Crowdsourcing-Plattformen: „Wir gehen in Sache Transparenz, Umfang, Reichweite und Tools einige Schritte weiter als andere Plattformen. Media Funders wird z.B. nicht auf eine bestimmte Region beschränkt sein, sondern soll sowohl lokalen, nationalen wie internationalen Journalisten und Projekten Platz bieten“, sagt Hertach.

Transparenz über Herkunft der Spenden
Verschiedene Sicherheitsverfahren sollen die gewollte Transparenz gewährleisten. So gebe es beispielsweise für jedes Projekt immer eine ganze Reihe von Geldgebern. Ein Geldgeber sei in einem Projekt damit immer nur einer von vielen. Darüber hinaus sei auf der Website zu jeder Zeit öffentlich einsehbar, welcher einzelne Spender wie viel Geld bereitgestellt hat und wer es empfängt.
Betrieben und mitfinanziert wird Media Funders und der Media Funders Fond, der Geldtopf des Projekts, derzeit in erster Linie durch Stefan Hertach sowie durch das Medien-Netzwerk Mediaquell und dessen freie Journalisten und Autoren.

Komplettlösung als Zukunftsmodell?
Media Fundes hat sich viel vorgenommen: Sei es die Einbindung verschiedener Formate wie Text-, Audio-, Video, Foto oder komplexe Datenjournalismus-Projekte oder eine enge Zusammenarbeit mit Journalismus- und Medienverbänden, Medienunternehmen, Stiftungen, Journalisten und Organisationen im In- und Ausland – das noch unfertige Projekt scheint vollgestopft mit Ideen.
Funktioniert diese Komplettlösung gar als Zukunftsmodell für die gesamte Branche? Stefan Hertach ist bei der Beantwortung dieser Frage zurückhaltend: „Ich denke spenden- und stiftungsfinanzierter Journalismus kann eine Möglichkeit sein, um unabhängigen Journalismus zu finanzieren. Die Rolle, welche diese Finanzierungsform am gesamten Journalismus-Volumen zukünftig spielen wird, kann derzeit aber sicherlich noch niemand abschätzen.“

„Viel Potenzial“
Wie die Finanzierung soll auch die Publikation der umgesetzten Medienbeiträge sehr flexibel sein. Auf der einen Seite ist eine Online-Plattform geplant, wo Beiträge in all ihren multimedialen Formen gratis zur Verfügung stehen, andererseits sollen die Inhalte den Medienpartnern und allen anderen Interessenten unter einer freien Lizenz, kostenlos zur Nutzung und Weiterverbreitung bereitgestellt werden.
„Hier gibt es sehr viel Potenzial, welches die Branche nutzen kann. Ob für reguläre neue Erlösmodelle oder um gezielt z.B. kosten- und ressourcenintensive Reportagen und Projekte über mehrere unabhängige Geldgeber zu finanzieren,“ sagt Stefan Hertach. Auch wenn heute noch offen steht, ob dieses kühne Projekt tatsächlich abheben wird, ist es doch sehr zu begrüssen, wenn man sich in der Branche nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten umsieht. Nur wer etwas wagt, kann scheitern.

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