Wieder Diskussion um Internetpranger

von Jerome Zech

Schon 2011 gab es zahlreiche Debatten um den sogenannten Internetpranger. Um nicht identifizierte Krawallmacher fassen zu können, stellte die Polizei mehrmals Bilder von mutmasslichen Tätern ins Netz. Die Aktionen waren sehr erfolgreich, viele konnten damit ausfindig gemacht werden. Nach dem Petardenwurf im Letzigrund machte es der «Blick» der Polizei nach und veröffentlichte kurzerhand online Bilder, auf welchen zumindest einer der beiden Täter klar erkennbar war. Und auch in diesem Jahr geht es nun nahtlos weiter.

Mitglieder des Hackerkollektivs „Anonymous“ haben die Enthüllungsplattform nazi-leaks.net geschaffen, auf welcher verschiedene Informationen aus dem Umfeld von Neonazis veröffentlicht werden. Unter anderem werden dort auch mutmassliche Gönner namentlich erwähnt und an den Pranger gestellt. Verschiedene Medien berichten über die Plattform nazi-leaks.net und deren Problematik.

Am 23. Dezember twitterte @OpBlitzkrieg, dass die Enthüllungsplattform nazi-leaks.net fertiggestellt ist:

Twittermeldung vom 23. Dezember

Twitter-Meldung von @OpBlitzkrieg am 23. Dezember 2011, 15:20

Am 2. Januar erschienen dazu verschiedene Artikel bei zahlreichen Medien und Onlineportalen. Einige Berichte dazu waren neutral gehalten, enthielten noch keine Wertung und ähnelten sich sehr wie beispielsweise auf Tagesspiegel Online und Computerwelt Online.

Auf ZEIT Online wurde beispielsweise vom Pranger und Unruhen in der rechten Szene gesprochen:

(…) Die Seite funktioniert damit wie ein Pranger. Die Attacke auf die verschiedenen rechtsextremen Seiten dürfte nicht zuletzt als begleitende PR-Maßnahme gedacht sein.

In rechten Kreisen sorgt das offenbar für ein wenig Unruhe. Bei Altermedia heißt es: „Außerdem sollten wir noch erwähnen, daß Hinweise auf die Identität der Pseudo-Anonymus-Zecken dankend entgegen genommen werden und gerne mit Prämien wie z.B. abgeschnittenen Fingern belohnt werden…“ Wie ernst das gemeint war, ist aber unklar.“

Das Hamburger Abendblatt Online berichtete noch am 2. Januar, dass verschiedene Stellen gegen das Web-Portal Anzeige erstatten werden:

„Die Zeitschrift „Junge Freiheit“ erklärte, die auf nazi-leaks.net veröffentlichte Liste mit Kontakten der Redaktion sei bereits im Juli publiziert worden – damals auf der Website Indymedia. Der Verlag habe Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. „Es handelt sich eindeutig um einen kriminellen Akt“, sagte Felix Krautkrämer, Redakteur der Zeitschrift. Er betonte, dass die in der Liste aufgeführten Personen nicht allesamt Autoren seien, sondern teils auch Interview-Partner, die selbst nicht für die „Junge Freiheit“ aktiv seien.

Die NPD erklärte am Montag auf dpa-Anfrage, sie prüfe die veröffentlichten Daten noch. Er wisse nicht, ob sie authentisch seien, sagte Parteisprecher Frank Franz. Die Partei werde wahrscheinlich in „allen denkbaren Bereichen“ Strafanzeige stellen. Alles, was mit Hacking zu tun habe, betrachte die NPD als kriminell.“

Am 3. Januar war nazi-leaks.net auch auf 20 Minuten Online ein Thema. Im Artikel selbst wird nichts Neues berichtet, dafür gibt es unterhalb des Artikels einen bemerkenswerten Kommentar von Hans Brunner dazu, der die Problematik des Internetprangers anspricht:

„Das Vorgehen birgt schon sehr grosse Risiken. Alle Internetpranger haben die Schwäche, dass keine genügende Qualitätssicherung bei den Inhalten gewährleistet wird. Wer unschuldig an den Pranger kommt, wird das Stigma kaum mehr los.“

Die Süddeutsche Zeitung Online berichtet auch über diese Problematik und zudem, dass beispielsweise der Chaos Computer Club, eine andere Hacker-Vereinigung, dieses Vorgehen ablehnt:

„Umso klarer lehnt der Hacker-Club jedoch die Arbeit von Nazi Leaks ab. „Natürlich gibt es bei uns einige, die sagen, das sind Nazis, die sollte man ausspähen“, berichtet ein gut vernetztes Club-Mitglied. Auch habe der Club in seiner Unvereinbarkeitserklärung deutlich Stellung gegen Rechtsextremismus bezogen. Dennoch verstoße die Arbeit von Nazi Leaks gegen die Hacker-Ethik, die besagt: Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen. „Andere Veröffentlichungen aus der rechten Szene haben gezeigt, welche Probleme es sonst gibt“, berichtet der Club-Vertreter, „da waren bei anderen Datenpaketen auch Aussteiger dabei, oder Unbeteiligte, deren Namen die Nazis als Pseudonyme verwendet hatten.“ Trotz der Kritik kündigten Hacker via Twitter neue Aktionen gegen fremdenfeindliche Webseiten an. Auch ein Nutzer des rechten Forums Thiazi prophezeite, „da werden noch ein paar folgen fürchte ich.“

Am 4. Januar meldet sich schliesslich auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zu Wort. Hendrik Zörner schreibt dazu:

„Die Hackergruppe Anonymous hat unter dem Titel „Operation Blitzkrieg“ Homepages und Datenbanken von vermeintlichen Unterstützern der Neonazi-Szene geknackt und deren Daten öffentlich gemacht. Eigens dafür wurde eine Homepage eingerichtet, die zu dem von Anonymous gefundenen Datenmaterial verlinkt. Darunter befinden sich auch Daten der Zeitung Junge Freiheit – nach deren Angaben eine Adressliste von Autoren, Interviewpartnern und Personen, die für Interviews angefragt wurden, diese aber nie gegeben haben. Die anonymen Betreiber der Homepage http://nazi-leaks.net bezeichnen die Daten der Jungen Freiheit hingegen als „Autorenliste“. Journalistische Sorgfalt war hier nicht am Werk, statt dessen werden Journalisten und für Interviews angefragte Personen als rechtsextrem gebrandmarkt. Mit gründlicher Recherche oder investigativer Aufklärung hat das nichts zu tun.“

Es scheint, dass eine Diskussion um solche Internetpranger immer wichtiger wird, da sich die Spirale scheinbar immer weiter dreht. Wird der Internetpranger ein gängiges Mittel in unserer Gesellschaft?

Ein Gedanke zu „Wieder Diskussion um Internetpranger

  1. Axel

    Ein staatlich initiierter Pranger ist wiederum etwas ganz anderes als eine von Privatpersonenn durchgeführte Aktion wie es Nazi_Leaks gewesen ist. Der Staat sollte in seiner Funktion Persönlichkeitsrechte wahren.

    Antworten

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