Keine Post mehr von Dr. Pex

von Jean-Pierre Carène

Peter Exinger war der Hofkritiker von Ringier. Viereinhalb Jahre lang verschickte er seine monatliche Medienkritik als Hofrat Dr. Pex. Mit Exingers Wechsel vom «Blick am Abend» zur Thurgauerzeitung verschwand die kritische Presseschau aus den Mailboxen der Ringier-Journalisten.

Hofrat Dr. Pex alias Peter Exinger.

Als Dr. Pex noch praktizierte, war kein Journalist vor seinen schonungslosen Analysen sicher. Ob grammatikalische Unstimmigkeiten oder inhaltliche Schwächen: Die etwas andere Presseschau, herausgegeben von der Ringier Journalistenschule, führte alles auf – immer mit einem augenzwinkernden Kommentar. Dabei kritisierte Dr. Pex alias Peter Exinger nicht nur andere Medien, sondern auch die Kollegen der eigenen Redaktion. „Alle redaktionellen Mitarbeiter von Ringier in Zürich und etwa 280 Interessierte erhielten das Mail“, sagt Exinger. Dennoch gab es nie heftige Reaktionen.

„Ich mache das mit Schmäh“
„Die Idee stammt von Fridolin Luchsinger, dem ehemaligen Chef der Ringier Journalistenschule“, sagt Exinger. Schon vor Hofrat Dr. Pex gab es bei Ringier diese Art von interner Kritik: „Das Gefäss hiess ‚Deutsch und Deutlich‘. Aber das war mir zu streng, zu zackig. Ich mache das mit mehr Schmäh“, so Exinger. Die Kollegen würden Kritik besser annehmen, wenn man sie mit einem Augenzwinkern übermittle. „Und deshalb habe ich mir diese Rolle zugelegt.“

„Lehrreich für die Kollegen“
Peter Exinger arbeitet seit Mitte der Neunziger-Jahre als Journalist in Zürich. Anfangs war der gebürtige Wiener als freier Kulturjournalist für diverse Schweizer Tageszeitungen tätig, bevor er beim Sonntagsblick eine Stelle antrat. Dort arbeitete er erst als Kulturredaktor, dann als stellvertretender Textchef. Danach war er bei Ringiers Abendblatt «Heute» und blieb nach dem Namenswechsel zu «Blick am Abend» der Redaktion als Textchef erhalten. Seit Exingers Wechsel zur Thurgauer Zeitung 2012, wo er heute als Blattmacher arbeitet, erscheint Hofrat Dr. Pex` Blattkritik nicht mehr. Rückblickend sagt Exinger: „Es war sicher lehrreich für viele Kollegen.“ Auch er versuche die Fehler, die er bei seinen Hofrat-Blattkritiken angeführt habe in seiner Zeitung, dem Lokalteil der Thurgauerzeitung, zu vermeiden. Zudem ruft Exinger Chefredaktoren dazu auf, diese Art von Medienkritik zu fördern und „Talente, wie mich“ zu fordern, so der 45-jährige mit einem Augenzwinkern. „Es braucht mehr Bewusstsein und Kritik“, so Exinger. Dass er seine Kollegen damit manchmal ein wenig trieze, gehöre bei ihm dazu.

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