Der erste Medienclub von SRF mit mässiger Resonanz

von Philip Kübler

Am 28. Mai 2013 hat das Schweizer Fernsehen SRF seinen ersten Medienclub ausgestrahlt. Thema war die Darstellung von Terrorakte durch die Medien. Die Moderatorin Karin Frei begrüsste um 22:20 Uhr Patrick Müller, Chefredaktor der „Schweiz am Sonntag“ und Alexandra Stark, Studienleiterin des MAZ als ständige Gäste. Hinzu kamen Diego Yanez, Chefredaktor des Schweizer Fernsehens, Rainer Stadler von der NZZ, Rolf Cavalli vom Blick und Vinzent Wyss, Professor an der ZHAW. Neben dem eigentlichen Thema kamen zur Sprache: Qualität in den Medien, die Arbeitsbedingungen der Journalisten, der Medienwandel, die Berufsaussichten junger Journalisten, die Attraktivität des Journalistenberufes und – kaum erläutert – die Persönlichkeitsverletzung eines St. Galler-Taxifahrers durch den „Blick“.

Schon während der Sendung konnte man das geringe Tweed-Aufkommen als Indiz auffassen, dass die Diskussion weder dem breiten Publikum noch den Journalisten und Medienwissenschafter am Herzen lag. Letztere monierten auf Twitter die Zusammensetzung der Gäste (keine Betroffene, keine Vertreter des Publikums, zu wenige Frauen) und die Diskussionsleitung.

Die erste etwas längere Kritik der Sendung wurde am folgenden Morgen von Marc Bachmann unter dem Titel „Der SRF-Medienclub als journalistische Nabelschau“ publiziert. Bachmann kritisiert vor allem den fachspezifischen Fokus der Diskussion und fragt zum Schluss, ob sich der durchschnittliche TV-Zuschauer dafür interessiere.

Im Tages-Anzeiger online verstärkte Christian Lüscher diese Kritik. Zudem kritisiert er das Abschweifen in Nebenthemen, regte eine Verkleinerung des Teilnehmerkreises ein und schlägt vor, schweizerische Medienthemen zu diskutieren; sie würden das Interesse der Zuschauer besser wecken.

Am Abend dann noch die Kritik in persönlich online. Sie fasst erstmals grob die Inhalte der Sendung zusammen und kritisiert das Ausfransen der Diskussion.

Noch stärker auf die Inhalte der Diskussion geht Philip Kübler am 31. Mai in der Medienwoche ein. Ihm ist die geringe Bezugnahme zu bewährten Referenzen wie der Spruchpraxis des Presserats aufgefallen. Die Medien würden zwar die eigene Verantwortung betonen, aber letztlich doch fast alles für möglich erachten: Video publizieren, Video nicht publizieren, Video adaptieren. Verantwortung würde aber bedeuten, Antwort zu geben und den eigenen Massstab nachvollziehbar einzusetzen. Entscheidend sei die Abwägung der relevanten Elemente, welche im Medienclub schwer greifbar wurde.

10 Fragen, die in der Sendung offen gebliebenen sind:

1.    Was sagt die Forschung zum Thema Terrorbilder?
2.    Welche Regeln gelten überhaupt – rechtlich, medienethisch? Wie steht es um die Unterscheidung zwischen Fernsehprogrammen (Radio- und TV-Gesetz) und Onlinemedien (allgemeine Rechtsordnung und Kodex mit Beschwerdemöglichkeit an den Presserat)?
3.    Wenn Chefredaktoren vorgegebene Normen oder Kriterien zu ignorieren scheinen: Tun sie dies auch in anderen Bereichen, namentlich dort, wo Kläger gegen eine Publikation erfolgreich vorgehen könnten?
4.    Wurde an die Interessen des Opfers gedacht?
5.    Onlinemedien und Videoplattformen im Internet könnten weniger Hemmungen haben, solch ein Video zu bringen – doch was macht man nun mit diesem Argument? Es scheint in zwei gegensätzliche Richtungen zu wirken: Einerseits entlastend für die Massenmedien („im Internet findet man das Video sowieso“), anderseits belastend („deshalb müssen und können sich die Massenmedien wegdifferenzieren oder umso zurückhaltender positionieren“). Was gilt?
6.    Entfällt eine echte Verantwortung nicht gerade dadurch, dass man sich darauf beruft, dass es alle tun? Man ist als Teil des Rudels schwer angreifbar.
7.    Vergleiche mit anderen Branchen, die sich an Regeln halten müssen: Banken, Rohstoffproduzenten, Pharmafirmen. Akzeptieren die gerne kritischen Journalisten dort die Argumentation, andere Marktteilnehmer würden ja ebenso agieren?
8.    Ist Instrumentalisierung der Medien ein übergeordnetes Thema? Sind Massenmedien nicht prallvoll mit zugespielten Botschaften und Absichten Dritter?
9.    WAS bringen und WIE bringen sind zwei fundamentale Grössen – wie läuft dieser Produktionsprozess ab? Heute, nach ein paar Tagen, zeigen die meisten Medien dieses und ähnliche Video in bearbeiteter Form.
10.    Hat der erstpublizierende TV-Sender (ITV) für das Video bezahlt?

3 Gedanken zu „Der erste Medienclub von SRF mit mässiger Resonanz

  1. Rolf Probala

    Marc Bachmann bringt das Problem auf den Punkt. Eine medienkritische Sendung im Zeitalter von Bloggs, Bürgerjournalismus und Social media ohne Einbezug der Mediennutzer wird notgedrungen zur Nabelschau. Eine zeitgemässe medienkritische Sendung am Massenmedium Fernsehen braucht ständige Gäste (nicht immer dieselben)aus dem Publikum.
    Rolf Probala

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