Die Inflation der Stars

von Gottlieb F. Höpli

«Schriftsteller hat abgeschrieben», «Fotomodell schwanger» – das sind doch keine Schlagzeilen! «Starmodel schwanger»; «Starökonom beschuldigt Bestsellerautor» – das sind doch ganz andere Kaliber!

Das muss man ganz einfach gelesen haben. Muss man? Die Abwertung des Modewortes «Star» zur ganz gewöhnlichen Vorsilbe schreitet mit Riesenschritten voran. «Star» ist zum Star der Schlagzeilenmacher geworden. Kein Dirigent wird mehr in den Medien erwähnt, er sei denn ein Stardirigent. Es gibt keine Köchinnen mehr, nur noch Starköchinnen, keine Friseure, nur noch Starfriseure. Wer es an der HSG in die Medien schafft, ist gewiss ein Starökonom. Die Medien – ein wahrer Sternenhimmel! Im Sog dieser Starmania zieht auch der Kurs der älteren Kinder-, Porno- oder Hochsprungstars wieder an, von Jung- und Altstars zu schweigen. Hört Ihr ihn nicht, liebe Starjournalisten, den stummen Schrei, der aus dieser öden Starparade aufsteigt? «Ich bin ein Star, holt mich hier raus!»

Erschienen als Glosse «Salzkorn» im St. Galler Tagblatt am 23.9.13

Ein Gedanke zu „Die Inflation der Stars

  1. Philip Kübler

    Stars sind die neuen Normalos, wenn man bedenkt, dass es erst die Superstars sind, die regelmässig gesucht werden, z.B. von Deutschland. – Oder ist es umgekehrt? Ist ein Superstar von minderer Leuchtkraft, ähnlich wie der Komparativ „älter“ jünger klingt als „alt“? Solange Starökonomen nicht wie Sterneköche und Viersternhotels ein branchenweites Ranking einführen, kann sich jeder unter Sternen und Supersternen vorstellen, was er will. Auch das geringschätzende „Sternchen“ ist zugelassen. Was wäre wohl ein Supersternchen?

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