Journalismus und PR – einerlei?

von Philip Kübler

Es gibt viele Gründe, warum der herkömmliche Journalismus gegenüber interessengebundener PR-Kommunikation schwächelt. Wir kommen auf 3×3=9 Aspekte. Wie gross das gesellschaftliche Problem ist und wo es sich praktisch auswirkt, ist offen. Ebenso die Frage, was man dagegen tun könnte.

Den Medienbeobachtern dürften die hier genannten 9 Gründe wohlbekannt sein. Am SwissMediaForum am 8. und 9. Mai 2014 werden wir das Thema in einem Podiumsgespräch vertiefen. Gäste sind Daniel Binswanger (Journalismus), Andreas Hugi (Public Affairs) und Stephanie Grubenmann (Wissenschaft). Wir werden Beispiele zeigen und auf Thesen eingehen. Am Schluss möchten wir festmachen, wo genau die Probleme im Spannungsfeld von PR und Journalismus liegen, wie gravierend sie in der Schweiz sind – und wie sich das Spannungsfeld angesichts des Medienwandels entwickeln könnte.

Hier also die Drei-mal-drei-Problembetrachtung zu „PR & Journalismus“. Die Bewertung der einzelnen Punkte ist offen, auch wären sie noch zu detaillieren und nach Möglichkeit mit Zahlen oder Studien zu unterlegen. „Journalismus“ verstehen wir hier als vom Ansatz her unvoreingenommenes institutionalisiertes Publizieren zum Geschehen, zu seinen Zusammenhängen und Hintergründen, mit der Bereitschaft und Fähigkeit zur Recherche und zum Einsatz journalistischer Methoden.

Kritik und Hinweise sind willkommen.

Gliederung des Dreiecks Staat—Wirtschaft—Medien Problemsicht
Struktur

  1

Volkswirtschaftliche Bedeutung Die wirtschaftliche Kraft des Journalismus sinkt; Staat und Wirtschaft bleiben stark.

2

Stärke der Kommunikationsprofis Weniger journalistisch tätige Medienschaffende, mehr PR-Profis.

3

Strukturelle Abhängigkeit Schrumpfender Nutzermarkt für Journalismus, umkämpfter Werbemarkt.
Prozesse

4

Kommunikationskanäle Die Medien sind nicht mehr Gatekeeper. Verlorene Deutungshoheit.

5

Zugang und Recherche Der Informationszugang in die Organisationen wird formeller und kontrollierter.

6

Zusammenwirken und Kooperationen Absprachen, Werbe- und PR-Interessen und situative Rücksichten nehmen zu.
Kultur

7

Vereinbarungen und Regeln Offene Regelwerke; kaum Überwachung und Transparenz in der Durchsetzung.

8

Ausbildung und Handwerk Das Wissen und Können der Journalisten wächst, doch die Berufsrealität weicht ab.

9

Werte und Problembewusstsein Die unterschiedlichen Rollen werden erkannt, die gesellschaftliche Diskussion ist noch klein.
Dieser Beitrag wurde am von in Aktuell veröffentlicht. Schlagworte: , .

Über Philip Kübler

Philip Kübler ist Präsident des Vereins Medienkritik. Er ist Rechtsanwalt, unterrichtet Medienrecht an der Universität Zürich, war langjähriges Mitglied des Schweizer Presserates und ist Mitglied der Eidgenössichen Medienkommission, die den Bundesrat in medienpolitischen Fragen berät. Philip Kübler war für die Unternehmenstransaktionen von Swisscom verantwortlich (Head of Mergers & Acquisitions) und zuvor langjähriger Chefjurist dieses Unternehmens. Seit August 2014 ist er der neue Direktor der Urheberrechtsgesellschaft ProLitteris.

3 Gedanken zu „Journalismus und PR – einerlei?

    1. Philip Kübler Beitragsautor

      Wenn ich Sie richtig verstehe, denken Sie an Menschen in Organisationen, die sich heute halb-/öffentlich über Social Media oder Kommentarfunktionen etc. äussern können. Das stimmt natürlich und wird von These 4 erfasst. Tatsächlich meinte ich mit These 5, dass Organisationen solche „Lecks“ minimieren möchten und die Kommunikationsabteilung als einzigen oder zumindest überwachenden Kanal für sämtliche Verlautbarungen verstehen („kontrolliert“). „Formeller“ wird der Zugang zudem, je mehr er über Öffentlichkeitsgesetz oder Gegenlese-Routinen erstritten werden muss. – Danke für Ihren Hinweis, das ist erläuterungsbedürftig. Stimmt es so?

      Antworten
      1. Peter Eberhard

        Mit dieser Erklärung kann ich es nachvollziehen. Aber wie Sie sagen: Nur als kurze These formuliert kann es verwirren.

        Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.