BR oder PR: Grosser runder Tisch der Freien BerufsjournalistInnen FBZ

von Philip Kübler

Spricht man mit Journalistinnen und Journalisten, dann versteht man unter dem Wort „Druck“ in den Medien schon längst nicht mehr das, was mit guten Texten und Bildern geschieht, sondern das, was die Schöpfer am eigenen Leib erleben. Statt gedruckter Zeitungen ökonomischer Druck der Werbekunden, der PR-Profis und der Medienmanager.

Was ist Journalismus im Angesicht übermächtiger PR? Die „Freien BerufsjournalistInnen FBZ“ laden zum grossen Runden Tisch ein, an dem eine profilierte Runde prominenter (Ex-)Journalistinnen, Medienkritiker und Wissenschaftlerinnen teilnehmen: Mittwoch, 3. September 2014, Türöffnung & Bar 18.30 Uhr, Beginn der Debatte 19 Uhr, Art Dock Zürich, Hohlstrasse 258, 8004 Zürich.

Für die Veranstalter geht es um eine Kernfrage ihres Berufs, und man spürt, dass die Organisatoren nicht ganz überzeugt sind von der Losung „I know it when I see it“ (= ich sehe dem Produkt an, wenn es journalistisch ist).

Die Debatte ist zu begrüssen, weil der Journalismus, wie man ihn zu kennen und geordnet zu wissen glaubte, schleichend und doch systematisch von PR bedrängt oder verdrängt wird. Wie steht es um die Unabhängigkeit der Medienschaffenden gegenüber den Vorgesetzten, Eigentümern und zahlenden (Werbe-)Kunden? Um die reglementierte und institutionalisierte Absicherung dieser Unabhängigkeit (darf man solches überhaupt noch fordern)? Und nicht zuletzt um die Sorgfalt und Fairness im ökonomischen und politischen Sachzwang? Wer verdient sie sich noch, die dank gesellschaftsrelevanter Rolle, Leistung und Qualität gewährten Privilegien des Journalisten (Zugang, Kommunikationsfreiheiten)?

Wer ist noch ein Kommunikator, der in einer ökonomisierten Welt nichts anderes verkaufen will als seine nach bestem Wissen und Gewissen geschöpften Tatsachen und Meinungen?

Der Berufsausweis war und ist eine Teilantwort auf diese Fragen. Schön, dass er als „BR“ nun beleuchtet und gewaltfrei den Public Relations gegenübergestellt wird. Wir kräftig und profiliert ist dieser Ausweis noch?

Medienkritik Schweiz hat sich wiederholt mit der Frage auseinandergesetzt, worin sich journalistische Leistungen von PR-Leistungen unterscheiden:

Eine mögliche Antwort könnte für die Journalistinnen und Journalisten von strategischer Bedeutung sein – hier ein Vorschlag:

„Wir lassen für unseren Beruf ein Set von Regeln gelten, die wir offenlegen und öffentlich beraten. Nicht nur, aber auch am Fall Geri Müller. Mit Nennung der Regeln, nicht bloss freigeistig. Unsere Einhaltung dieser Regeln überwachen wir selbstkritisch und organisatorisch (ja, das bedeutet ein wenig Bürokratie und Dokumentation, denn wir können nicht beweisfrei und selbstgerecht behaupten, dass wir PR-Avancen im Griff haben und wenn nötig erfolgreich zurückdrängen oder offenlegen – alles ohne organisatorische und überwachende Massnahmen). Wir glauben, dass wir mit dieser Selbstbindung und Selbstregulierung Glaubwürdigkeit gewinnen und auch wirtschaftlich Erfolg haben werden.“

Und dann:

„Jetzt müssen wir nur noch die Verleger überzeugen und das Ganze beweisen.“

Medienkritik Schweiz wünscht den Organisatorinnen und Organisatoren der Veranstaltung eine gelungene Diskussion.

 

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Über Philip Kübler

Philip Kübler ist Präsident des Vereins Medienkritik. Er ist Rechtsanwalt, unterrichtet Medienrecht an der Universität Zürich, war langjähriges Mitglied des Schweizer Presserates und ist Mitglied der Eidgenössichen Medienkommission, die den Bundesrat in medienpolitischen Fragen berät. Philip Kübler war für die Unternehmenstransaktionen von Swisscom verantwortlich (Head of Mergers & Acquisitions) und zuvor langjähriger Chefjurist dieses Unternehmens. Seit August 2014 ist er der neue Direktor der Urheberrechtsgesellschaft ProLitteris.

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