Medienqualität fusst auf fundiertem Wissen und eigenem Urteilsvermögen

Christoph Vollenweider

Das Lilienberg Unternehmerforum fördert das unternehmerische Denken und befasst sich mit den gesellschaftlichen Herausforderung der näheren Zukunft. Wir versuchen vor allem, die Unternehmerschaft in den gesellschaftlichen Diskurs einzubinden und zwar in den verschiedensten Bereichen wie Bildung, Gesundheit, Unternehmenskultur, Aussenpolitik oder Sicherheit. In diesen Diskussionen stellen wir fest, dass sehr viele Unternehmer ein zwiespältiges Verhältnis zu den Medien haben: Sie brauchen diese einerseits für die Beschaffung von Informationen über die Entwicklungen im In- und Ausland und andererseits für ihre eigene Kommunikation nach aussen. Aber gleichzeitig schwingt dabei immer die Angst vor Fehlleistungen dieser Medien infolge Voreingenommenheit, Inkompetenz und Arroganz von Seiten der Journalisten mit, was sich wiederum negativ auf das Image des Unternehmens, ja der ganzen Wirtschaft niederschlagen könnte. Oft sind solche negativen Äusserungen pauschal, doch bei näherem Hinsehen kommt man dem Unbehagen auf den Grund.

Zu viel Person und zu wenig Information

Als Hauptursachen für diese Unzufriedenheit werden in erster Linie die mangelnde Kompetenz der Journalisten genannt sowie der nun schon seit längerem anhaltende Trend, auf Personen zu spielen, statt sich auf die Sache zu konzentrieren. Man erfährt zwar sehr viel über die einzelnen Akteure der Wirtschaft, über die jeweiligen CEOs oder Verwaltungsratspräsidenten als Personen, aber sehr wenig über die Hintergründe und Zusammenhänge, so dass der Informationsgehalt für den Medienkonsumenten sehr klein ist. Das hat in den Augen vieler Wirtschaftsvertreter zur Folge, dass die Bevölkerung negativ oder nur schlecht über die Wirtschaft als ganzes und über deren grossen Leistungen für die Gesellschaft informiert ist. Weiter werfen viele Unternehmer den Medien vor, nicht in der Lage zu sein, über die langfristigen Entwicklungen und Problemstellungen zu informieren, dafür aber künstliche Hypes zu produzieren, die sich oft genug als Seifenblasen entpuppen.

Zugegeben: Am Unbehagen breiter Bevölkerungskreise gegenüber der Wirtschaft trägt diese selber eine grosse Schuld. Sie hat sich zu spät und zu lau von den Auswüchsen einzelner Exponenten distanziert und sich weitgehend aus dem gesellschaftlichen Diskurs verabschiedet, doch ihre Kritik an den Medien muss sehr ernst genommen werden, denn sie wird von grossen Teilen der Bevölkerung geteilt, teilweise aus den gleichen Gründen.

Postulate für mehr Medienqualität

Um hier Gegensteuer zu geben, möchte ich folgende Postulate in den Raum stellen:

  • Die Journalisten müssen sich selber vermehrt am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen und sich der Öffentlichkeit stellen. Ihre vornehme Zurückhaltung entfremdet sie der Wirklichkeit und von ihren Konsumente, die nicht so dumm sind wie die von ihnen am häufigsten angeklickten Beiträge.
  • Darum müssen die Journalisten wieder dazu übergehen, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden. Die Klickquoten auf der eigenen Online-Ausgabe ist kein Massstab für die Relevanz eines Themas. Das gilt auch für die Aktualität: Sie um jeden Preis zu erzielen, bringt langfristig nichts
  • Die Journalisten müssen wieder selbstkritisch werden und sich der Kritik von aussen öffnen. Sie gelten bei der Bevölkerung als kritikresistent und arrogant.
  • Die Journalisten müssen in der Lage sein, ihre Meinung respektive Kritik aus eigener Kraft zu entwickeln und zu begründen. Kritischer Journalismus bedeutet nicht, einfach alle Seiten gleich viel Platz einzuräumen, so dem Gemeindepräsidenten und dem Dorfquerulanten, um bei einem harmlosen Beispiel zu bleiben. Das bedingt aber fundiertes Wissen und eigene Urteilskraft.
  • Darum soll sich die Ausbildung der Journalisten wieder vermehrt auf Inhalte und auf das Verstehen der Zusammenhänge konzentrieren, statt auf das rein Handwerkliche.

Wir wissen alle, dass hinter vielen Fehlentwicklungen die Verlage stehen, denen es heute in erster Linie um Rendite geht. Darum sind sie in erster Linie gefordert. Sie müssen realisieren, dass die Medien eine doppelte Rolle spielen, an der sie letztlich scheitern: Sie sind unentbehrlich, um Fehler und Fehlverhalten in der Gesellschaft aufzudecken. Gleichzeitig geht ihnen die Kompetenz dazu immer mehr verloren. Wenn es einmal wirklich darauf ankommt, werden sie daher kaum mehr ernst genommen, was fatal wäre.


Christoph Vollenweider, Programmleiter Stiftung Lilienberg Unternehmerforum, ehemaliger Chefredaktor des „Zürcher Obeländers“.

Christoph Vollenweider

Christoph Vollenweider

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