Wertschöpfung braucht mehr aufmerksames Zuhören als lautes Zurufen

von Peter Bucher

Die Attraktivität eines Wirtschaftsstandortes hängt von Kriterien wie Verkehrserschliessung, Verfügbarkeit von Arbeitsflächen, Arbeitskräften oder steuerlicher Belastung ab. Es zählen aber auch weniger fassbare Dinge wie Image oder Renommee. Dabei stehen insbesondere die Städte in Konkurrenz zueinander. Wofür der Name einer Stadt stehen soll, wird ständig diskutiert: politisch, wirtschaftlich, kulturell und mit unterschiedlichsten Namensträgern, Namensgebern und deren Zielgruppen verhandelt – Wohnstadt, Musikstadt, Tourismusstadt, Energiestadt, Kreativstadt.


Wie agieren Medien auf die unterschiedlichen Botschaften international tätiger, börsenkotierter Unternehmen und der lokalen Politik?

Private wie öffentliche Institutionen möchten gerne die Kontrolle über ihre Kommunikationsbotschaften behalten und scheuen die Unwägbarkeiten der öffentlichen Debatte. Diese Scheu begründet aufwändige Kommunikationsabteilungen und PR-Beraterstäbe, deren Aufgabe unter anderem darin liegt, eine möglichst gute Kontrolle über die das Unternehmen betreffende Kommunikation zu erreichen. Bloss keine Überraschungen!

Hohe Präsenz der Medien in der Politik

Ambivalenter ist in dieser Frage die Politik, die ebenfalls ungern die Kontrolle verliert, aber die öffentliche Debatte grundsätzlich sucht. Wenn es darum geht, sich Gehör zu verschaffen, in bestimmten Themen die Deutungshoheit zu gewinnen, Meinungen zu formen oder Forderungen zu platzieren, können Überraschungen nützlich sein. „Laut, schnell und einfach“, heisst ein Erfolgsrezept. Das kommt dem Arbeitsrhythmus der Redaktionen und den Marketingvorgaben der Verleger entgegen. Entsprechend sind die Medien im politischen Alltag omnipräsent und die Behördenspitze ist an einer regelmässigen – wenn immer möglich positiven – Berichterstattung interessiert.

“Lauter, schneller, einfacher” hat aber auch qualitative Konsequenzen: „It is better to be roughly right, than exactly wrong“, heisst eine alte Beraterweisheit. Das Ungefähre ist für beide Seiten hilfreich. Politisch lässt sich damit einbinden, was oder wer noch nicht wirklich zusammenpasst. Medienschaffende nehmen die Vorarbeit, die Dinge einfach verpackt, druckreif- und schnittfertig serviert zu erhalten, gerne an. Gerade deshalb werden Politiker zu allen möglichen Dingen befragt. Der Berichterstatter muss nicht zwingend jedes Faktum abklären. Die Gegenüberstellung einer zweiten Meinung wird oft als genügend erachtet. Eine derart personalisierte und polarisierende Berichterstattung deckt sich im Prinzip mit den Interessen der politischen Auseinandersetzung, läuft aber den Zielen und teils auch den Vorschriften der Unternehmenskommunikation entgegen. Eine seriöse, qualitativ hochwertige und fachkundige Berichterstattung ist hingegen sowohl für Unternehmen wie auch für den Wirtschaftsstandort ein klarer Vorteil.

Mehr Präsenz der Unternehmenskommunikaiton in den Medien zur Wirtschaftsförderung

An der Schnittstelle zwischen Politik und Unternehmenskommunikation gilt es, die Balance zwischen den verschiedenen Ansprüchen zu finden: der Tagesjournalismus richtet sich nach dem regionalen und lokalen Markt der Aufmerksamkeit und ist damit näher bei Mechanismen der Politik. Unternehmen suchen Diskretion, Kontrolle und sind gebunden an nationale und internationale Publikations- und Compliance Anforderungen. Eine professionelle, diskrete Zusammenarbeit wird geschätzt und stärkt das Image des Standortes, lässt sich aber politisch schlecht verkaufen und füllt die Zeitungsspalten nicht. Auf die Länge wird es sich aber für alle auszahlen, wenn die Stärken des Wirtschaftsstandort differenziert herausgestrichen werden. Worte schaffen Werte. Diese bedürfen jedoch mehr Zeit, weniger Begleitmusik und laute Titel.

Berichterstattung ist Standortförderung. Wirtschaftliche Werte sind auch in ihrer medialen Darstellung als „Investition“ nachhaltig zu sichern und nicht dem kurzfristigen „Konsum“ des medialen Rampenlichts zu opfern. Nachhaltige wirtschaftliche Wertschöpfung braucht mehr aufmerksames Zuhören und weniger polarisiertes Zurufen. Liebe Medienschaffende, schenken Sie uns ihre Aufmerksamkeit. Danke.


Peter Bucher: Wirtschaftsbeauftrager der Stadt Luzern

Peter Bucher: Wirtschaftsbeauftrager der Stadt Luzern

Peter Bucher ist seit rund sieben Jahren Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Luzern. Nach seinem Studium der Soziologie und Politologie arbeitete er zuerst in der Marktforschung und dann in Prüfung- und Beratungsgesellschaften, Arthur Andersen, später auch E&Y, wo er als Partner die Beratung der öffentlichen Hand leitete.

 

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